Es war ein ganz gewöhnlicher Nachmittag. Ich saß auf meinem Sofa in unserer Hamburger Wohnung und surfte mit meinem iPad durchs World Wide Web. Ich suchte nichts bestimmtes, denn ich hatte ja meinen neuen Weg bereits gefunden. Ein paar Tage zuvor war ich bei der Paracelsus-Schule gewesen und hatte mich für die Ausbildung zur Heilpraktikerin für Psychotherapie angemeldet.

Ich weiß es noch als wäre es gestern gewesen, als an diesem Nachmittag, dem 17.09.2012 der erste Newsletter der Paracelsus-Schule in mein Postfach flatterte. Klar, ein Angebot für ein Seminar was auch sonst, dachte ich so bei mir. Aber da ich so neugierig bin, habe ich ihn natürlich geöffnet.

Endlich mit meinem Stress besser umgehen lernen

„Stressmanagement und Qigong (Übungsleiter)“ so hieß das angebotene Seminar. Die Seminarbeschreibung war wie für mich geschrieben. „Lernen Sie, wie sie mit ihrem Stress besser umgehen, Ihre Stressfallen erkennen und entspannter werden können“ oder so ähnlich.

Ja, das war ein Seminar für mich. Wobei mich der Stressmanagement-Teil mehr reizte und ich das Qigong eher als „Beigut“ akzeptierte. Schließlich wollte ich auf meinem neuen Weg ja auch neue Dinge und Methoden ausprobieren. Ich habe nicht lange gefackelt, sondern mich kurzerhand für diese zwei Wochenenden angemeldet.

Mein erstes Mal

Den Start machte der Qigong-Part und so fand ich mich am 28.09.2012 um 17:30 Uhr in einem kleinen Raum mit vier weiteren Teilnehmerinnen ein. Ich war tierisch müde, daran kann ich mich noch sehr gut erinnern aber ich wollte trotzdem nichts verpassen.

Nachdem wir uns vorgestellt hatten, erklärte uns die Seminarleiterin kurz, was Qigong denn bedeutete. Qi heißt so viel wie Energie oder auch Lebensenergie und Gong bedeutet ganz schlicht Arbeit. Beim Qigong arbeiten wir also mit Lebensenergie.

Aha, dachte ich, soweit so gut. Und dann starteten wir auch sofort mit der ersten Übung los. Ich war etwas irritiert, denn ich wusste so gar nicht, was die Seminarleiterin von mir wollte. Meine Augen waren geschlossen und ich folgte quasi blind der Stimme einer mir fremden Frau.

Die Übung war an sich total simpel, Arme vor dem Körper gestreckt nach oben bis über den Kopf führen und sie dann vor dem Körper wieder nach unten senken. Aber das hat sie nicht gesagt. Sie erklärte die Übung in Bildern.

Eine Reise in Bildern

Ich sollte mir vorstellen, wie meine Arme und Finger tief in die Erde wachsen. Von ganz da unten sollten sich die langen Arme durch die Erde bis nach oben „wühlen“, aus der Erde herauskommen, um dann Richtung Horizont und weiter Richtung Himmel empor zu steigen.

Sie sprach davon, dass meine Hände und Finger auf diesem Weg von überall frisches gesundes Qi einsammelten. Über meinem Kopf bündelte ich das gesammelte Qi und brachte es, gemäß Anleitung, über meinen höchsten Scheitelpunkt, durch meinen Kopf, meinen Hals, durch Lunge, Herz und Leber bis nach unten auf Höhe meines Bauchnabels.

Hinter unten, sagte sie, sollte ich mir ein Lächeln vorstellen. Und das Lächeln würde mit jedem Atemzug größer und kleiner werden. Es war so beruhigend einfach nur ihrer Stimme zu folgen. Ich muss sagen, dass mir zu Anfang die Vorstellung dieser inneren Bilder sehr schwer gefallen ist. Häufig habe ich mich gefragt, ob das denn wirklich so aussehen soll. Aber es war egal, ich wurde einfach nur ruhig, ich konnte mich voll und ganz auf diese Übungen einlassen. Auch, wenn sie nicht alle auf Anhieb gut geklappt haben.

Ich war im Qigong-Fieber

Dieses Wochenende von Freitagabend bis Sonntagabend hat mir so gefallen, dass ich mich sofort am Sonntagabend für die Wochenkurse der Seminarleiterin angemeldet und seither nicht wieder damit aufgehört habe Qigong zu praktizieren.

Aber was genau war es, was mich so sehr fasziniert hat, dass ich es nicht mehr lassen konnte? Denn ich habe daraufhin im Januar 2013 eine Jahresausbildung zur Qigong-Lehrerin absolviert und bereits währenddessen selbst Kurse gehalten. Und alles nur, weil ich für mich selbst lernen wollte, wie ich besser mit meinem Stress umgehen kann.

Mein fünf Hauptgründe, die Qigong zu meinem Lebenselixier machten

Hauptgrund #1:

Zunächst einmal bin ich der festen Überzeugung, dass Qigong mir dabei geholfen hat meine körperlichen Beschwerden in den Griff zu bekommen. Kurz bevor ich damit angefangen habe, hatte ich einen leichten Bandscheibenvorfall in der Lendenwirbelsäule. Ganz großes Kino kann ich dir sagen, das hatte mir gerade noch gefehlt zu meinem Glück. Ich hatte ja nur so ca. fünf bis zehn Lebensmittelunverträglichkeiten, einen Reizmagen und einen Reizdarm, ständige Verspannungen und dadurch auch fast täglich Kopfschmerzen.

Ich war jahrelang Dauergast bei unterschiedlichen Ärzten gewesen. Als mir diese dann nicht mehr wirklich weiterhelfen konnten habe ich es mit Heilpraktikern versucht. Ständig auf der Suche nach einer Ursache. Aber die Ursache war nicht auf körperliche Ebene zu suchen. Dafür musste ich tiefer gehen. Und genau dabei hat Qigong mir geholfen. Zunächst wurden die Rückenschmerzen besser, dann die Kopfschmerzen, dann die Verspannungen, usw. Kannst du dir vorstellen, wie sich das angefühlt hat? Es war großartig!

Hauptgrund #2:

Ich habe mir früher immer ein Glas für mein Gehirn gewünscht, so wie ältere Menschen eines für ihre Zähne haben. Da hätte ich dann abends mein Gehirn reingelegt und es morgens wieder eingesetzt. Ich wollte einfach nur Ruhe haben da oben. Ständig habe ich mir Gedanken über alles und jeden gemacht. Mache ich das richtig? Ist das eine gute Idee? Sollte ich vielleicht lieber…? Was denken XY wenn ich das mache oder sage? Bin ich wirklich auf dem richtigen Weg? Und so weiter und so fort, die Liste könnte bis ins unendliche gehen.

In Qigong-Sprache nennt man diese ständig störenden Gedanken auch Affen. Sie sind schnell, frech und kommen einem einfach so dazwischen, ob man nun will oder nicht. Ein chinesischer Meister hat das mal so beschrieben: Unser Bewusstsein ist ständig im außen unterwegs, wie ein streunender Hund. Wir machen uns ständig Gedanken über Dinge, die gerade nicht wichtig oder nicht zu ändern sind. Oder wir denken darüber nach, was andere von uns denken könnten. Wir müssen unserem Bewusstsein ein schönes Zimmer einrichten, in dem es gerne bleiben will. Dann muss es nicht mehr wie ein streunender Hund durch die Gegend ziehen.

Im Qigong geht es darum, die eigene Aufmerksamkeit auf eine Sache zu konzentrieren. Die Energie folgt der Aufmerksamkeit. Das bedeutet, wenn ich meine Aufmerksamkeit auf etwas richte, ist meine Energie bereits da, ich brauche nichts weiter zu tun. Und aus diesem Grund solltest du dir auch ganz genau überlegen, worauf du deine Aufmerksamkeit richtest, wenn du deine Energie nicht verschwenden willst.

Durch die Übungen habe ich es geschafft, dass ich meine Gedanken weitestgehend unter Kontrolle habe. Natürlich passiert es mir, dass es mal nicht so gut gelingt. Das ist natürlich auch immer Tagesform abhängig. Aber sie drehen sich nicht mehr ständig so im Kreis wie früher. Ich habe meinen Affenzirkus da oben ganz gut im Griff und endlich auch mehr Ruhe in meinem Kopf. Das möchte ich definitiv nicht mehr missen.

Hauptgrund #3:

Es war mir früher nicht klar aber ich hatte keinerlei Gefühl für mich selbst, für meinen Körper oder für meine Grenzen. Aber mal der Reihe nach. Ich habe zwar immer so getan, als wäre ich super souverän, selbstbewusst und taff, aber die Wahrheit sah ganz anders aus. Ich habe mich selbst überhaupt nicht gemocht. Ich fand meinen Körper hässlich und habe mich in ihm auch nie Zuhause gefühlt. Ich war mir auch nie genug. Ständig hatte ich das Gefühl, ich müsste mehr machen, um von meinem Umfeld angenommen und anerkannt zu werden. Ich wollte einfach perfekt, beliebt, gemocht, schön, intelligent und witzig sein.

Durch Qigong bin ich mit mir selbst in Kontakt gekommen. Ich habe mich selbst spüren können. Ich war immer so hart zu mir selbst aber mit Hilfe der Übungen habe ich gelernt ganz sanft mit mir umgehen zu können. Ich habe mich nicht mehr zu allem gezwungen, nur weil man das halt so macht. Ich habe aufgehört damit immer jedem alles recht machen zu wollen und habe gelernt auch einmal NEIN zu sagen. Und ich habe aufgehört damit, mich immer einfach nur anzupassen. Verstehe mich nicht falsch, sich anpassen zu können ist eine große Stärke, denn sie hilft beim Überleben. Kinder können das sehr gut und das müssen sie auch, damit sie wachsen und lernen können. Sich aber anzupassen, weil man lieber jemand anderer wäre, das ist definitiv keine Lösung.

Alles Feedback und alle Komplimente prallten sofort an mir ab, da ich es nicht glauben konnte, dass es wirklich ernst gemeint ist. Ganz schön gemein eigentlich. Denn damit unterstellte ich ja den Menschen, die mir die ganzen tollen Dinge gesagt haben, die sie an mir mögen und schätzen, dass sie mich belügen. Aber so bekloppt es auch war, ich habe so gedacht. Heute kann ich diese Dinge annehmen, glauben und mich sogar gut dabei fühlen. Und kannst du dir vorstellen wie schön das ist? Es tut so gut für das was ich bin und wie ich bin Komplimente zu bekommen und es zaubert mir ein schönes und angenehmes Wohlgefühl - oder in Qigong-Sprache ausgedrückt - ein Lächeln in meinen Bauch.

Hauptgrund #4:

Ich bin ein ziemlich sensibler Mensch. Heute sehe ich das als eine meiner größten Stärken an. Früher war es mir als solches gar nicht bewusst. Ich bekam eher die Auswirkungen davon zu spüren, die gar nicht so toll waren. Ich konnte mich schon immer sehr gut in andere Menschen einfühlen. Allerdings hat es häufig dazu geführt, dass ich mir die Probleme von Anderen regelrecht angezogen habe. Ich hatte nicht nur Mitleid, ich habe vielmehr mit gelitten. Das ist unheimlich kräftezehrend. Denn meine mitfühlende Art hat natürlich auch bewirkt, dass Menschen sich mir sehr schnell mit ihren Problemen anvertraut haben. Und oftmals konnte ich mich nicht gut dagegen schützen.

Mit Qigong habe ich es geschafft meine Grenzen zu kennen. Ich weiß jetzt welches meine eigenen Empfindungen sind und welche ich von anderen mitbekomme. Ich nehme auch nicht mehr alles so persönlich und fühle mich nicht mehr so schnell angegriffen.

Hauptgrund #5:

Wie du an meinen ganzen körperlichen Beschwerden von oben vielleicht schon mitbekommen hast, habe ich früher keinen besonders achtsamen Umgang mit mir selbst gepflegt. Ich habe die Zeichen meines Körpers eher übergangen oder sie durch Medikamente betäubt, als mich mit ihnen auseinander zu setzen.

Heute weiß ich ziemlich genau, welche Dinge mir gut tun und welche mir Schmerzen verursachen. Alles kann ich nicht immer abwehren aber ich weiß, wie ich damit umgehen kann, damit es mir schnell besser geht.

Ich könnte diese Liste noch weiterführen. Es gibt noch so viel mehr Gründe, die mich täglich dazu antreiben meine Qigong-Übungen zu machen und mein Wissen in Kursen und Workshops weiter zu geben.

Qigong ist wirklich mein Lebenselixier geworden, denn:

  • es gibt mir Kraft,
  • es lässt mich achtsam mit mir selbst umgehen,
  • es hält mir meine Grenzen vor Augen,
  • es lässt mich innerlich stabil und im Gleichgewicht bleiben,
  • es hinterlässt ein Wohlgefühl in meinem Bauch und
  • es hält meine Gedanken davon ab verrückt zu spielen.

Unterm Strich kann ich sagen, dass ich es durch Qigong geschafft habe endlich Ruhe in meinen Kopf, ein Lächeln in meinen Bauch und dadurch mehr Energie zu haben.

Eines möchte ich dir abschließend gerne noch mitgeben. Ich bin zu Qigong gekommen wie die Jungfrau zum Kind. Ich wusste nicht, dass diese Auswirkungen damit einhergehen werden. Ebenso wenig wie ich mir vorstellen konnte, das so lange durchzuhalten.

Wer mir noch von früher kennt weiß, dass ich gerne unterschiedliche Dinge angefangen habe, sie mit großem Enthusiasmus gemacht habe und sie nach kurzer Zeit einfach wieder gelassen habe. Bei Qigong ist das anders. Vermutlich liegt es daran, dass ich so unvoreingenommen an das Ganze heran gegangen bin. Ich habe es nicht angefangen um etwas zu erreichen. Sondern ich bin dabei geblieben, weil es mir so gut tut.

Hast du auch Lust es mal auszuprobieren? In einem meiner Kurse vielleicht oder einem Tages- oder Wochenend-Workshop? Wenn ja, dann trage dich doch in das unten stehende Formular ein und ich kann dich über die nächsten Termine auf dem Laufenden halten.

Aber jetzt bist du wieder dran: Kämpfst du noch gegen die Zeichen deines Körper an ohne dass es zu einer Verbesserung führt? Fühlst du dich wohl in deiner Haut? Lässt dich dein Affenzirkus in deinem Kopf nicht schlafen?

Dann würde ich mich freuen, wenn du deine Erfahrungen mit mir teilst. Hinterlasse mir doch ein Kommentar unter diesem Artikel oder schreib mir eine kurze E-Mail unter post@carinaseewald.de.

Ich freue mich darauf von dir zu hören!

Herzliche Grüße und bis bald,
Carina

P.S. Vergiss nicht, dir heute noch etwas Gutes zu tun.

Bildquelle: canva.com