Es ist schon eine Weile her, da saß ich am Wochenende in einer meiner Fachweiterbildungen. Ich bin mir gar nicht mehr sicher wie wir auf dieses Thema gekommen sind, aber ich hatte recht schnell an diesem Tag eine Karte in der Hand. Keine Spielkarte, sondern eine von diesen rechteckigen Moderationskarten. Was da drauf stand? Genau zwei Worte. Auf der einen Seite stand JA und auf der anderen Seite stand NEIN. Es ging dabei nicht um eine Abstimmung. Es ging dabei um das JA-Sagen und das NEIN-Sagen. Und Du darfst mir glauben, ich war ein absoluter Spezialist wenn es darum ging zu anderen JA zu sagen und ein echter Dilettant wenn es darum ging auch mal NEIN zu sagen.

Der Widerstand
Was ist also passiert? Ich sollte lernen auch mal NEIN zu sagen, ganz großes Kino dachte ich mir nur. Denn bisher lebte ich nach der Vorstellung, dass ich mich mit einem NEIN selbst ausgrenzen würde, dass ein NEIN bei meinem Gegenüber so gar nicht gut ankommt. Und wenn ich einfach zu jemandem NEIN sage, dann stoße ich ihn doch vor den Kopf. Was denkt derjenige denn dann über mich?
Das Experiment
Meine Dozentin hörte sich das alles ganz in Ruhe an. Als ich meine sämtlichen Argumente, warum NEIN-Sagen so gar nicht gut für mich ist, dargelegt hatte, begann sie leicht zu nicken und zu schmunzeln. Sie stand auf und holte mir die bereits erwähnte Karte. Auf die eine Seite sollte ich JA und auf die andere NEIN schreiben. Dann sagte sie zu mir ich solle die Karte so halten das mein Gegenüber das JA, welches ich in der Regel verwendete, auf der Karte sehen konnte. Und dann fragte sie mich: "Und was siehst du?" Mich starrte das in Großbuchstaben geschriebene NEIN an...
Die Erkenntnis
"Wenn du JA sagst weil das, was dein Gegenüber von dir möchte gerade super für dich passt, ist das auch für dich in dem Moment genau richtig. Wenn du aber JA sagst obwohl du genau weißt, das passt für dich in diesem Moment überhaupt nicht, dann hast du in diesem Moment NEIN zu dir selbst gesagt." Das hatte ich verstanden. Aber bitte glaube nicht, dass es mir ab diesem Zeitpunkt immer gelungen ist auch mal NEIN zu sagen, das hat gedauert. Und in manchen Fällen muss ich mir auch heute immer Mal wieder genau das vor Augen führen.
Dein Nutzen
Was aber kann es denn bewirken auch mal NEIN zu sagen, weil es gerade nicht für Dich passt? Und jetzt kommt der Teil, wie Du Dir Dein Leben mit diesen beiden Worten ein wenig einfacher machen kannst:
  • Du triffst bewusste Entscheidungen. Wenn Du Dir im Klaren darüber bist was für Dich gerade wichtig ist und was Du jetzt gerade brauchst und möchtest, dann kannst Du Dich auch ganz bewusst entscheiden. Bevor Du JA oder NEIN sagst halte einen kleinen Moment inne und hör' in Dich hinein. Deine innere Stimme, Deine Intuition, Dein Bauchgefühl wissen genau, was Du gerade brauchst.
  • Du setzt bewusst Grenzen. Durch bewusste Entscheidungen setzt Du ganz klare Grenzen. Du entscheidest Dich für JA oder NEIN und setzt damit automatisch die Grenze, wofür Du Deine Energie, Dein Engagement, Deine Kraft einsetzt.
  • Du bist Dir selbst bewusst. Mit Deinen bewusst getroffenen Entscheidungen und Deinen bewusst gesetzten Grenzen sind Dir Deine Wünsche, Deine Bedürfnisse und Deine Ziele - sprich Du selbst - viel mehr bewusst. Du entscheidest Dich für das, was Dir gut tut, was Du brauchst und grenzt Dich von dem ab, was Du eben gerade nicht brauchst, was Dir gerade nicht gut tut.
Die Umsetzung
Klar, das zu verstehen ist nicht das Problem aber die Umsetzung dessen, ist schon wieder eine ganz andere Sache. Da ich selbst sehr lange gebraucht habe, um das NEIN-Sagen auch in die Tat umzusetzen, weiß ich dass das gar nicht so leicht ist.
Es geht auch wirklich nicht darum, jemanden vor den Kopf zu stoßen, ihm das NEIN ins Gesicht zu brüllen und danach die Tür zuzuschlagen. Versuche kleine Schritte zu machen. Das kann auch ganz einfach bedeuten, dass Du den Zeitpunkt bestimmst wann Du etwas tust. So nach dem Motto, ja, ich helfe dir aber erst heute Nachmittag. Es geht darum dass Du Dich bewusst entscheidest, Du bewusst Grenzen setzt und Dir damit selbst bewusst bist und bleibst. Ich kann Dir versichern, so ungewohnt es am Anfang für Dich auch sein mag, es ist ein sehr befreiendes Gefühl und Du tust Dir selbst etwas Gutes. Und seinen wir mal ehrlich, das sind wir uns wert!

Jetzt bist Du dran! Wie ist es bei Dir mit dem NEIN-Sagen? Welche Erfahrungen hast Du bereits gemacht? Schreibe gerne ein Kommentar oder melde Dich bei mir per Mail.

Viele Grüße und bis bald,

Deine Carina